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Selbststeuerungskompetenz – der Schlüssel zum erfolgreichen Mitarbeiter

Selbststeuerungskompetenz – der Schlüssel zum erfolgreichen Mitarbeiter
Motivation, Intelligenz und fachliches Können sind zweifelsohne relevante Faktoren für den Berufserfolg. Doch sie allein sind nicht ausreichend, um wirklich erfolgreich zu sein und überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen. Denn den höchsten Zusammenhang mit beruflichem Erfolg weist eine andere Fähigkeit auf: die Selbststeuerungskompetenz. Sie ist ein Konstrukt, das in der neueren Forschung zunehmend an Relevanz gewonnen hat bei der Frage, was beruflichen Erfolg im Kern ausmacht. Führungskräfte bemängeln häufig fehlende Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter. Es kann passieren, dass sie den Überblick verlieren, Wesentliches nicht richtig vom Unwesentlichen unterscheiden und Prioritäten falsch setzen. Dies muss allerdings nicht an fehlender Motivation liegen. Denn viele Menschen gehen höchst motiviert und engagiert an ihre Arbeit heran, haben innovative Ideen und stecken sich hohe Ziele. Was ihnen zur Zielerreichung und zur Schaffung von messbaren Ergebnissen fehlt, ist die Kompetenz der Selbststeuerung. Peter Drucker bezeichnete sie als Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts für Führungskräfte. Sie ist allerdings auch der Schlüssel zum Erfolg für jeden einzelnen Mitarbeiter und somit letztlich für das gesamte Unternehmen.
Gemeint ist damit die Fähigkeit einer Person, sämtliche Ressourcen so zu koordinieren, dass ein Ziel erreicht oder eine Absicht effizient umgesetzt werden kann. Dies resultiert aus einer hohen Selbstaufmerksamkeit und dem Vermögen, Emotionen und Bedürfnisse regulieren und ausbalancieren zu können. Somit besteht eine gute Selbststeuerung aus dem Zusammenspiel von Fähigkeiten der Selbstwahrnehmung, Emotionsregulation und Selbstdisziplin. Menschen, die diese Fähigkeiten hoch ausgeprägt haben, haben eine gute Impulskontrolle und sind somit in der Lage, besonnen Entscheidungen zu treffen und produktiv und sachorientiert zu kommunizieren. Dies führt zu einer erhöhten Durchsetzungsfähigkeit und Umsetzungskompetenz. Sie sind außerdem in der Lage, ihre negativen Emotionen bewusst wahrzunehmen, richtig einzuordnen und mit Frustration und Enttäuschung umzugehen. Dies hat weitreichende positive Folgen: sie bleiben handlungsfähig und sind vor schädigenden und leistungshemmenden Faktoren wie Ärger auf andere oder einem übertriebenen Bedürfnis nach Anerkennung geschützt. Sie sind somit emotional stabiler. Außerdem führt eine differenzierte Wahrnehmung der eigenen Emotionen zu einer höheren Sensitivität anderen gegenüber, wodurch seltener Konflikte auftreten. Menschen mit einer guten Selbststeuerungskompetenz sind deshalb sowohl privat als auch beruflich erfolgreicher.


Die Kompetenz zur Selbststeuerung galt lange Zeit als sehr stabil und kaum veränderbar, da die zugrundeliegenden Mechanismen nicht bekannt waren. Mit dem Wissen um Hintergründe und Komplementärkompetenzen aus aktueller Forschung kam allerdings die Erkenntnis um die Förderungsmöglichkeiten dieser Fähigkeit. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass Teilkompetenzen der Selbststeuerung im Coaching oder Sparring mit Einzelpersonen direkt verbessert und Komplementärkompetenzen im Unternehmen gefördert werden können. Auch strukturelle Veränderungen können hilfreich sein, um die Selbststeuerungskompetenz der Mitarbeiter zu erhöhen.


Es lassen sich mindestens fünf Teil- und Komplementärkompetenzen der Selbststeuerung identifizierten

1. Aufmerksamkeitsregulation

Hiermit ist die Fähigkeit gemeint, im kognitiven System bevorzugt Informationen zu verarbeiten, die das Gesamtvorhaben unterstützen. Menschen mit hoher Selbststeuerungsfähigkeit fokussieren ihre gesamte Energie auf klare Ziele, die im Einklang mit ihren Werten stehen. Dadurch schöpfen sie die Kraft, Hindernisse überwinden zu können.


2. Emotionsregulation und Stressmanagement

Hohe Emotionsregulationskompetenz versetzt Menschen in die Lage, sich von negativen Emotionen, wie Ärger oder stressbedingten Frust nicht hemmen zu lassen und schützt gleichzeitig vor Handlungen ohne Impulskontrolle. Positive Gefühle tragen zu einer besseren Informationsverarbeitung und Umsetzung von Absichten bei.


3. Durchsetzungsstärke und Selbstvertrauen

Eine gute Selbststeuerungskompetenz geht meist einher mit starken Selbstwirksamkeitsüberzeugungen. Das bedeutet, dass Menschen mit hoher Selbststeuerungskompetenz ihre Fähigkeiten akkurat einschätzen und wissen, dass sie auf diese vertrauen können. Deshalb scheuen sie sich nicht, Entscheidungen zu treffen und glauben daran, immer Mittel finden zu können, um Schwierigkeiten und Probleme zu lösen. Hindernisse werden nicht als unüberwindbare Barriere, sondern herausfordernde Hürde angesehen, die gemeistert werden kann.


4. Vorausschauende Planung und Problemlösung

Mit dem letztgenannten Punkt zusammenhängend, ist die Fähigkeit von Menschen mit ausgeprägter Selbststeuerungskompetenz, proaktiv zu agieren. Sie schieben Entscheidungen nicht vor sich her, sondern erledigen unangenehme Aufgaben lieber sofort. Sie gehen vorausschauend an Problemlösungen heran und verstehen, dass Planung nicht die Voraussage der Zukunft sein kann, sondern bestenfalls die Vorbereitung auf eine ungewisse Zukunft.


5. Zielbezogene Selbstdisziplin

Menschen mit guter Selbststeuerungskompetenz sind in der Lage, früher als andere zu erkennen, was in einer bestimmten Situation notwendig ist und scheuen sich nicht, diese Schlussfolgerungen konsequent und zielorientiert umzusetzen. Sie haben eine hohe Selbstdisziplin und schaffen es somit, irrelevante Gedanken, Handlungsimpulse und unpassende Versuchungsmomente zu kontrollieren. Diese Unterdrückung ist nicht mit Zwang gleichzusetzen, sondern entsteht aus einer Balance zwischen Selbstkontrolle und Selbstbehauptung, im Sinne von Bewusstsein über die eigenen Werte und Bedürfnisse. So sind gut selbstgesteuerte Menschen in der Lage, im Einklang mit sich, eine sinnhafte Tätigkeit in ihrer Arbeit zu erkennen und dafür an den richtigen Stellen zurückzustecken.


Wie kann das Wissen um diese Fähigkeit im Unternehmensalltag genutzt werden?

Zunächst sollte durch die Erkenntnis, dass Selbststeuerung ein starker Prädiktor für den künftigen Berufserfolg ist, die Möglichkeit Beachtung finden, diese Kompetenz bereits bei der Personalauswahl und Laufbahnplanung zu berücksichtigen. Des Weiteren ist es wichtig zu verstehen, wie diese Kompetenz der Mitarbeiter im Unternehmen auch gehemmt werden kann. Häufig ist das leitende Prinzip im Unternehmen ein stark ausgeprägtes Leistungsmotiv. Es wird produktives, zielführendes und effizientes Arbeiten verlangt. Dies ist wichtig, um ein Unternehmen nach vorne zu bringen. Es kann aber negativ wirken, wenn es so weit geht, dass es einen ungesunden, übertriebenen Wettbewerb zwischen den Mitarbeitern gibt, wodurch Fehler lieber vertuscht werden und so die Möglichkeit verloren geht, aus ihnen zu lernen. Dies unterstützt weder ein fokussiertes Arbeiten noch ein gesundes, selbstbestimmtes Stressmanagement der Mitarbeiter. Auch wird Hektik im Arbeitsalltag oft wohlwollend betrachtet, wohingegen Pausen und Regenerierung häufig misstrauisch beäugt werden. Dies kann die wichtigen Ressourcen aller im Unternehmen tätiger Personen auf Dauer nachhaltig erschöpfen und zu Motivationsverlust und eingeschränkter Leistungsfähigkeit führen. Führungskräfte können dazu beitragen, diese Fallstricke zu umgehen und die Selbststeuerung ihrer Mitarbeiter durch die Stärkung der Teilkompetenzen von Selbstregulation erhöhen. Dadurch können sie ein Klima für leistungsmotivierte und eigenverantwortliche Mitarbeiter schaffen, die selbständig und engagiert zum Unternehmenserfolg beitragen. Einige sinnvolle Ansätze, aus unserer Coaching- und Beratungspraxis möchte ich Ihnen kurz vorstellen.

Häufig wird im unternehmerischen Kontext eine Politik der offenen Türen propagiert, um den Austausch und die Kommunikation unter den Mitarbeitern zu fördern. Dass ein Schließen der Türen bei Bedarf respektiert werden muss, gehört wohl zum allgemeinen Wissensgut. Die meisten Menschen arbeiten allerdings in Großraumbüros. Auch dies fördert die kooperative Arbeitsweise. Jedoch müssen gerade hier Rückzugsorte geschaffen werden, um die Fähigkeit der Aufmerksamkeitsregulation zu fördern und zu unterstützen. Wünschenswert wären extra Räume zum stillen Arbeiten, Nachdenken oder kurze Pausen, für einzelne aber auch mehrere Mitarbeiter gleichzeitig. Dies würde eine selbstgesteuerte Auswahl des richtigen Umfelds für bestimmte Aufgaben und konzentriertes, fokussiertes Arbeiten ohne Ablenkungen ermöglichen. Weiterhin könnte dies unterstützt werden durch ein Arbeitsumfeld, das auch ansonsten wenig Ablenkungen bereit hält. Besonders störend ist hierbei der allgemein häufig herrschende Druck, E-Mails postwendend beantworten zu müssen. Eine geeignete Maßnahme, um die Regulation der Aufmerksamkeit sicherzustellen, wäre deshalb die Möglichkeit, Outlook während der Arbeit temporär ausstellen zu dürfen und E-Mails später beantworten zu können, ohne mehr oder weniger subtile Abstrafungen. Außerdem sinnvoll, um die Aufmerksamkeitsregulation weiter zu fördern, können Trainings für Mitarbeiter sein, die sich mit der Förderung des Flow-Zustands und fokussiertem Arbeiten befassen.

Trainings könnten auch genutzt werden, um eine weitere Teilkompetenz der Selbststeuerung zu fördern: die Emotionsregulation. Innerhalb solcher Trainings beschäftigt man sich insbesondere mit Selbstaufmerksamkeit und spezifischen Techniken der Emotionsregulation. Zum Üben und Praktizieren könnten hier auch die eingangs beschriebenen Rückzugsräume dienen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass diese Trainings möglichst allen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden, nicht nur Managern und Führungskräften. Der Benefit solcher Maßnahmen liegt nicht nur in einem gesteigerten persönlichen Wohlbefinden der Mitarbeiter, sondern auch in einer verbesserten Unternehmenskultur, denn emotionale Verletzungen müssen nicht länger auf Sachebene ausgetragen werden, wenn man Emotionen primär für sich selbst, aber auch für andere, klar benennen kann und sich bewusst sind, wo sie herrühren. Dies führt zu weniger Konflikten und weniger tiefgreifenden, emotionalen Auseinandersetzungen.

Auch die zielbezogene Selbstdisziplin kann im Unternehmen gefördert werden. Hier ist es wichtig zu beachten, dass ein Gleichgewicht gefunden werden soll zwischen Selbstkontrolle und -disziplin und den eigenen Werten, Vorstellungen und Bedürfnissen. Dazu sind natürlich altbekannte Maßnahmen wie eine passende Regelung für Überstunden, die Beachtung der Work-Life-Balance, Fairness etc. zuträglich. Selbstdisziplin einzusetzen ist nämlich ergebnis- und zielorientiert und ohne wird man auch nie erfolgreich sein können; Zwang und ständige Kontrolle führen allerdings zur Erschöpfung der Ressourcen. Deshalb ist es notwendig, ein Commitment bei den Mitarbeitern zu erzeugen und ihre Bindung an das Unternehmen zu stärken. Dazu sollte ein klar gesetztes Unternehmensziel, eine Vision, existieren. Die Führungskraft muss deutlich machen, wo es hingehen soll und dass das Unternehmen ein Ziel verfolgt, das über sie als Person hinausgeht. Dies wird die Mitarbeiter dazu motivieren, ihre Führungskraft dabei unterstützen zu wollen. Somit wird die Arbeit dann zu einer sinnhaften Tätigkeit und eigene Werte und Vorstellungen werden integriert.

Generell können alle Teilkompetenzen Gegenstand von Trainings oder Managementaudits sein. Dabei wird zunächst der Entwicklungsbedarf in den einzelnen Bereichen ermittelt und danach ein Intervalltraining durchgeführt mit Lern-, Anwendungs-, Reflektions- und Kontrollphasen.

Aus psychologischer Sicht ist es für Unternehmen äußerst sinnvoll, die Selbststeuerungsmechanismen zu beachten und zu integrieren, da sie zu mehr beruflichem Erfolg, mehr Leistungsfähigkeit, besseren Arbeitsergebnissen und nebenbei auch weniger Konflikten führen.

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